MARKUS ZOHNER FLYING THEATRE ACADEMY FOR CENTRAL ASIA in Kasachtsan erfolgreich zu Ende gegangen

Datum 10.06.04
Autor Webteam
News als PDF Ausführlicher Abschlussbericht mit Beiträgen von Markus Zohner und allen beteiligten Lehrern
74 Seiten, Farbe, PDF, ca. 4MB
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Interkontinentales Kulturaustauschprojekt abgeschlossen

Ausführlicher Abschlussbericht erschienen und auf dieser Seite bereit zum Herunterladen.
In Almaty hat die erste MARKUS ZOHNER FLYING THEATRE ACADEMY FOR CENTRAL ASIA stattgefunden.
Das Konzept in Kürze: Kasachstan ist abgelegen, zentralasiatische Theaterschaffende haben so gut wie keine Möglichkeit des kulturellen Austausches. Nach unseren verschiedenen Theaterprojekten ist daher die Idee entstanden, im Rahmen einer Theateracademie hervorragende Lehrer aus ganz Europa für Meisterkurse nach Zentralasien zu bringen.

Über einhundert junge Theaterschaffende aus Kasachstan, Kirgistan, Uzbekistan und Tadschikistan haben an der MARKUS ZOHNER FLYING THEATRE FOR CENTRAL ASIA teilgenommen.
Im Moment laufen die Vorbereitungen für eine Weiterentwicklung des Projektes. Details dieser Pläne sind, sobald ausgearbeitet, auf unserer Homepage unter http://www.zohnertheater.ch zu finden.
Es folgt ein Abriss des Konzeptes der soeben zu Ende gegangenen fliegenden Theateracademie.

Die erste Ausgabe der fliegendenTheateracademie

In einer ersten Tranche hat ein neunmonatiges Fortbildungsprogramm für professionelle Theaterschaffende stattgefunden. Eine begrenzte Anzahl von Schauspielern, Regisseuren und Dramaturgen aus verschiedenen Ländern Zentralasiens wurde zur Teilnahme zugelassen.
Die Kursleiter wurden von der Markus Zohner FLYING Theatre Academie for Central Asia in Zusammenarbeit mit Kulturinstituten und Vertretungen der jeweiligen europäischen Länder in Zentralasien engagiert.

Werkschauen
Wichtiger Bestandteil dieser Meisterkurse waren Werkschauen, in der Ergebnisse der Arbeit einem theaterinteressierten Publikum zugänglich gemacht wurden.
Die Lehrer haben in öffentlichen Vorstellungen einen Einblick in ihre eigene theatralische Arbeit und Suche gegeben und, wo sinnvoll, Referate und Konferenzen halten.Eine Öffnung der Markus Zohner FLYING Theatre Academie for Central Asia über den Kreis der Teilnehmer hinaus wurde dringend angestrebt.



Der Schauspieler wird Kaufmann

Kein Schauspieler ist Kaufmann- doch um ein eigenes, auch kleines Theater zu führen, muss man etwas über Buchführung lernen, über Marketing, über Budgets.
Kein Schauspieler ist Tänzer- und doch ist der Tanz wichtiges theatralisches Ausdrucksmittel. Stimme ist nicht nur zum Sprechen da, Masken existieren nicht nur in der Vergangenheit, und nicht nur der Regisseur weiss, wohin der nächste Schritt gehen soll.Die Idee hinter der MARKUS ZOHNER FLYING THEATRE ACADEMY ist nun, hervorragende Theaterschaffende mit grosser Erfahrung auch im Lehren, in die Gebiete zu senden, in denen der Bedarf, die Nachfrage besteht.

Kultureller Austausch Europa-Zentralasien

Dieses Fortbildungsprogramm hat Theaterschaffenden von Kasachstan, Kirgistan und Uzbekistan in Almaty die Möglichkeit gegeben, über einen längeren Zeitraum hinweg mit hervorragenden Lehrern aus anderen Ländern neue theatralische Horizonte zu erschliessen.
Auf der anderen Seite hatten so Theaterlehrer aus Westeuropa die Gelegenheit, in der Begegnung mit Schauspielern Zentralasiens vollkommen neue kulturelle Welten zu entdecken und Teil der nationalen, traditionellen und modernen Kultur mit in ihre Heimat zu bringen.Ein weiterer Punkt ist, neue Möglichkeiten von Austausch zwischen kreativen Persönlichkeiten verschiedener Länder wie verschiedener Generationen zu bieten.


Der Schauspieler ist das Zentrum des Theaterlebens

Der Schauspieler kann heute nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, ein auf die Darstellung von Rollen hochgspezialisiertes Dasein führen. Die Anforderungen an den Schauspieler sind heute vielfältig: Er rückt immer mehr ins Zentrum des theatralischen Geschehens, wird zum Kreateur nicht nur seiner eigenen Rolle, sondern oft auch des Stückes, der Inszenierung, der Kostüme, des Abends, der Truppe... Der Schauspieler wird zum ganzheitlich Theaterschaffenden, der an der Kreation des theatralischen Ereignisses auf den verschiedensten Ebenen und auf die verschiedensten Arten entscheidend beteiligt ist.

Neues Theaterleben

Schauspieler verlassen die alten Strukturen, freie Gruppen bilden sich, kreieren eigene Stücke, die sie selbst inszenieren, eigene, neue Theaterräume werden geschaffen, kulturelles Leben entsteht, jung, neu, immer wieder frisch, unmittelbar.
Dieser Schritt vom in alten, starren Strukturen verhafteten Schauspieler zum universellen Schauspieler ist sehr schwer und braucht Ausbildung, Weiterbildung, Kraft, Mut, Begegnung, Austausch.
Der Schauspieler selbst kann, muss sich weiterentwickeln, kann, muss heraustreten aus alten, abhängigen Strukturen, kann, muss Neues entdecken, sonst stirbt er, stirbt sein Beruf, stirbt seine Hoffnung.


Die Situation der jungen Schauspieler in Zentralasien

Zentralasiatische Länder wie Kazachstan, Kirgistan und Uzbekistan sind rein räumlich weit von anderen Ländern, mit denen Austausch stattfinden könnte, entfernt.
Die Theaterschaffenden in Kasachstan sind vom Rest der Welt faktisch so gut wie abgeschnitten. Mit den ehemals sowjetischen Ländern existiert so gut wie kein Austausch mehr, und für einen Studienaufenthalt z.B. in Moskau, im Baltikum oder gar in Westeuropa reichen die finanziellen Mittel nicht mal im Traum. Auf der anderen Seite kommen durch die so entfernte Lage und die rein geographische Grösse Kasachstans, Kirgistans und Uzbekistans auch nur selten Kulturschaffende anderer Länder hier vorbei, es besteht also im Ganzen für alle Seiten nur wenig Gelegenheit für kulturellen Austausch und damit einhergehende kulturelle Entwicklung. Das Bedürfnis nach Erneuerung, nach der Entdeckung neuer Welten, neuer Horizonte, ist von Seiten der Kulturschaffenden enorm- und zugleich existiert für sie die Möglichkeit, andere Länder zu bereisen, durch die desaströse wirtschaftlieche Lage vor allem der im kulturellen Bereich Tätigen, so gut wie nicht.

Essenzielle Fortbildung

Fortbildung für junge professionelle Schauspieler ist ein extrem wichtiger Faktor für ihre künstlerische Weiterentwicklung. Häufig suchen sie nach ihrer Grundausbildung an Akademien und Schauspielschulen nach neuen Wegen, werden aber bald von alten Systemen „aufgefressen“: Sie gehen Engagements ein, spielen ihre Rollen an Theaterhäusern und haben weder Geld noch Zeit noch die strukturellen Möglichkeiten, in Kontakt mit Theaterlehrern in anderen Ländern zu treten, andere Theaterformen kennenzulernen, sich mit neuen Visionen, Stilen und Formen auseinanderzusetzen. So werden die enorme Kraft, die grosse Hoffnung, der Enthusiasmus und die Spielfreude durch eine theatralische Monokultur mit immer denselben Regisseuren, Stilen und Theater-“systemen“ zerschlissen.
Hier hat die MARKUS ZOHNER FLYING THEATRE ACADEMIE angesetzt und ist nach gesamt zweijähriger Dauer im Juni 2003 erfolgreich zu Ende gegangen.


Kreativer Prozess

Die Kreation dieses Projektes war auch ein künstlerisch / menschlicher Prozess, der Beliebigkeit vermiedet.Das Projekt hatte präzise Ziele, die nur durch eine präzise Konzeption und Durchführung aller Bestandteile verwirklicht werden konnte. Es handelte sich um ein komplexes Programm speziell ausgewählter internationaler Theaterlehrer verschiedener europäischer Länder, welches bereits bei anderen Gelegenheiten sehr erfolgreich durchgeführt werden konnte. Nur so konnte die Qualität der Meisterkurse garantiert werden, nur so konnte die gesuchte Entwicklung des Projektes realisiert werden.

Dank!

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei unseren Partnern, die die Durchführung der fliegenden Theateracademie überhaupt erst ermöglicht haben: Dem Schweizer Aussenministerium EDA und hier insbesondere bei Frau Julia Stiefel, dem Schweizerischen Generalkonsulat Almaty, unserer Partnerin vor Ort Neilya Yarmukhamedova, Goethe Institut Inter Nationes, British Council, Institute Francais, Hivos Foundation, Soros Foundation und vielen weiteren lokalen Partnern.


Dokumente
Abschlussbericht mit Beiträgen von Markus Zohner und allen beteiligten Lehrern
74 Seiten, mehrsprachig, A4, mit zahlreichen Photos, PDF ca 4 MB


Der Kasachische Botschafter in der Schweiz über wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den beiden Ländern

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