OLTRE – Reise in die inneren Welten des Adolf Wölfli
Die Aufführung
Um den facettenreichen Schweizer Künstler Adolf Wölfli (1864–1930) zu erzählen und in seine revolutionäre Welt einzudringen, verwenden wir Stimme, Bewegung, Tanz, Musik, Rhythmus und Projektionen, so verschlungen und kunstvoll wie die Elemente seiner vielgestaltigen Gemälde, die neben Zeichnungen auch Notenlinien, Collagen, Zahlen und Wörter enthalten.
Luca Massaroli und Baptiste Vurlod führen das Publikum zu einer intimen Begegnung mit Wahnsinn, Schöpfungskraft und Begeisterung dieses Visionärs, der Warhol, Picasso, Apollinaire, Ray, Dalí und Magritte vorwegnahm.
Video
Hintergrund
Adolf Wölfli, einer der grossen Künstler des 20. Jahrhunderts, wurde in einer kleinen Stadt im Kanton Bern geboren und begann um 1899 als Patient in einer Berner Klinik für Geisteskranke zu zeichnen. Nach einer äusserst schwierigen Kindheit (ein chronisch alkoholkranker und gewalttätiger Vater, der die Familie verliess, als Adolf sechs Jahre alt war, eine Familie in Armut, die Trennung von der Mutter und dann die Nachricht vom Tod der Mutter im Alter von neun Jahren, Misshandlungen und Ausschluss von der Schule), wuchs Wölfli als Verdingbub auf, als Kind, das von verschiedenen Bauern unter Vertrag genommen wurde. Nach zwei versuchten Kindervergewaltigungen wurde er 1890 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die er im Zuchthaus Sankt Johannsen verbüsste. Nach einem dritten Vergewaltigungsversuch wurde er in die psychiatrische Klinik in Waldau eingewiesen (1895). Im Alter von 35 Jahren begann er 1899 zu zeichnen, zu schreiben und zu komponieren.
OLTRE – Reise in die inneren Welten des Adolf Wölfli erzählt diese Geschichte: von den Kindheitskämpfen bis zur Erschaffung seines enormen künstlerischen Werks, bestehend aus über 1500 Zeichnungen und Collagen, 25’000 Seiten literarischer Werke und musikalischer Kompositionen.
Überschreiten der Grenze
Adolf Wölfli, aus einer ihm feindlich gesinnten und brutalen Welt vertrieben, überquerte die Grenze, die Borderline, um sich eine neue Welt zu schaffen, eine eigene Welt, in der es ihm möglich war zu leben. Indem er eine andere Vergangenheit jenseits des Realen erfand, konnte er sich ein neues Leben schaffen, ein Leben mit einer imaginären Vergangenheit, ein Leben, das nur in einer neuen Realität möglich war, die sich von der brutalen unterschied, aus der er kam, eine Realität, die im positiven Sinne nur ihm gehörte, eine Realität, in der er Schmerzen in Farben, Schreie in Noten, Albträume in Worte verwandeln konnte. Eine Realität, die Menschen, die auf der anderen Seite der Grenze, der Borderline, zurückblieben, als Wahnsinn bezeichneten.
Bei der Kreation von OLTRE – Reise in die inneren Welten des Adolf Wölfli geht es uns speziell um diesen Übergang, diese Grenzüberschreitung, die die Welt, die den gesellschaftlichen Normen entspricht, von der Welt trennt, in der andere Regeln, andere Logiken, andere Bedürfnisse und andere Verhaltensweisen gelten. Dieser Übergang von einer Seite der Grenze zur anderen ist immer von unermesslichem Schmerz bestimmt, ist das Ergebnis von grossem Leid. Druck, Not und Leiden verursachen diesen Übergang. Im Fall von Adolf Wölfli war dieser Druck sehr gross. Trotz aller Probleme fand er glücklicherweise Zuflucht und Schutz vor der brutalen Realität draussen, was ihm erlaubte, die Dunkelheit des vergangenen Grauens in Licht, Farben, Linien, Worte und Noten, in künstlerischen Ausdruck zu verwandeln.
OLTRE – Reise in die inneren Welten des Adolf Wölfli ist die erste Produktion im Rahmen von BORDERLINES, dem mehrjährigen Theater- und Forschungsprojekt der Markus Zohner Arts Company.
Hinweise für das Publikum
Frühe Reservierung empfohlen.
Es werden Themen für Erwachsene wie psychische Erkrankung, Knechtschaft und sexueller Missbrauch an- und ausgesprochen.
Die Figuren
Adolf Wölfli (Luca Massaroli, Baptiste Vurlod) – Er ist die Hauptfigur. Seine Geschichte wird durch seine Texte und Bilder erzählt.
Dr. Walter Morgenthaler (Luca Massaroli) – Der Psychiater und Psychotherapeut, der sich um Adolf Wölfli kümmert. Er bietet ihm einen eigenen Raum, in dem er sich frei ausdrücken kann, um seine künstlerischen und musikalischen Werke zu schaffen und zu komponieren, und verschafft ihm Materialien für seine Zeichnungen, Schriften und Kompositionen.
Besetzung und Credits
Gastspielanfrage
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